Eine außergewöhnliche Geschichte

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Volker Koch hatte am

03. November 2014,

mit dem 330 Seiten starken Buch,
»Goldrausch am Amazonas«,

das im Verlagshaus Monsenstein & Vannerdat
erschienen ist, sein literarisches Debüt.

Eine schonungslose, auf Tatsachen beruhende, Beschreibung, über die Welt der Gold und Diamantenminen in den Wäldern des Amazonasgebietes. Verpackt in einer Geschichte, in der der Protagonist, genannt »Catire«, zwischen unglaublichen Abenteuern und dem Wunsch endlich den Ort zu finden, an dem er die von ihm so ersehnten Antworten findet, hin und her gerissen wird.

Mit den außergewöhnlichen Romanfiguren, auf die der Protagonist, auf seinen Reisen zwischen den verschiedenen Minen, trifft, zeigt er dem Leser eine oft brutale Welt, in der überwiegend Armut und Verzweiflung vorherrscht. Man bekommt Einblick in seine Gedankenwelt, die er selbst als »spirituell philosophische Forschung« ansieht und genau dann, als er sich für eine ruhigere Lebensform entscheidet, überrascht ihn etwas, gegen das er sich eigentlich immer gewappnet sah.
Sympathisch ist, das der Autor, trotz vieler »gut gemeinter Ratschläge«, keinen autobiografischen Roman geschrieben hat, sondern, eine, ihm ähnliche, Romanfigur erschaffen hat, die der Leser bis zum Ende, durch alle Abenteuer und philosophische Gedankenspiele, begleiten kann.

Das ein unterhaltsames Buch nicht immer von etablierten Autoren, hinter denen ebenso etablierte Verlage stehen, stammen muss, ist mit dem ersten Buch des Autoren wieder einmal bewiesen worden. Beim Inhalt des Romans, handelt es sich keinesfalls nur um eine unkoordinierte Anreihung von diversen Abenteuern, vielmehr zeigt sich, dass die Hauptfigur, getrieben durch die jahrelange Suche nach einem Ort des Glücks, eine Entscheidung trifft, die ihn letztlich tatsächlich an diesen Ort bringt. Allerdings befindet sich dieser Ort überraschender Weise nicht dort, wo ihn sich der Protagonist oder der Leser, vorgestellt hatte.

Ob die Abenteuer und Romanfiguren die »spirituell philosophische Gedankenreise« des Catire begleiten oder umgekehrt, ist davon abhängig, auf welchen Teil des Romans der Leser sein Hauptaugenmerk legt. Um jedoch eine unvollständige und somit, wie ich meine, ungerechte Analyse zu vermeiden, müssen die einzelnen Elemente, die da heißen, Gedankenspiele, Abenteuer, Romanfiguren und simple Information, als sich gegenseitig ergänzendes Ganzes angesehen werden. Das der Roman, obgleich nicht als Biografie geschrieben, dem Leser nur die eine Möglichkeit gibt, nämlich dem Hauptprotagonisten in seinen Erlebnissen, dem Informativen Teil und seiner Gedankenwelt zu folgen, rührt natürlich daher, dass der Autor, bis auf einige nicht relevante Dinge, seine Erzählung von seinen eigenen Erlebnissen abgeleitet hat. Und doch, oder gerade deshalb, reichen diese Romanelemente aus, um ein vielschichtiges Buch präsentieren zu können.

Der Leser wird gleich am Anfang in eine laufende Geschichte hineingeworfen und lernt bereits auf der ersten Seite, die brutale Welt des Catire kennen, dessen Motor seines Überlebenskampfes das Röhrchen mit Gold ist. Dieses Gold, erlaubt ihm immer wieder aufs Neue, seine »spirituell philosophische Forschung« weiter voran zu treiben und den, wie er glaubt, für ihn bereits vorgezeichneten Weg weiter zu beschreiten. Um irgendwann einmal, auf die für ihn wichtigen Antworten zu stoßen.

Mit karikaturistischen Mitteln beschreibt der Autor in den Abschnitten, »Puerto Colombia« und »San Felipe«, Personen, Handlungen und deren Lebensraum auf eine höchst amüsante Weise. In diesen Abschnitten verliert dieses brutale und lebensfeindliche Habitat plötzlich seine Gefährlichkeit und bekommt einen komischen, ja, skurrilen Anstrich.
Mit dem Erscheinen seines Freundes J.B.D. beginnt jedoch wieder das große Abenteuer. Auch die Abschnitte »Pico de Neblina«, »Die Mine« und »Eine unglaubliche Überraschung« werden mit außergewöhnlichen Romanfiguren unterlegt und wie so oft im Roman, endet, ein mit großem Risiko begonnenes Abenteuer, das über einen ausweglos scheinenden Höhepunkt verläuft, in letzter Minute noch mit einer rettenden Komponente.

Auch am Beginn des zweiten Kapitels wird der Leser wieder in eine bereits laufende Geschichte hineingeworfen. Catire befindet sich in einer der gefährlichsten Goldmine Brasiliens, Pista Velha. In einer, dem Leser gegenüber, mitleidlosen Art und weiteren eindrucksvollen und bemerkenswerten Romanfiguren, beschreibt der Autor die Welt der Pista Velha, die Catire jedoch, obwohl die Brutalität die in den Minen vorherrscht nichts neues für ihn ist, mit Unverständnis fluchtartig verlässt.
Auch die Reise in die »Unter Tage Minen« Venezuelas, in »Stellungswechsel« und »Die Reise«, ist gespickt mit neuen Romanfiguren. Auf oft erschreckende Art und Weise und mit profunden Einblicken in das Innere dieser Menschen, zeigt Volker Koch dem Leser, was geraubte Würde dem Menschen antut und in welche Fantasiewelt die Gepeinigten flüchten um sich nicht das Leben nehmen zu müssen. Hier erscheint auch, zwar nur kurz doch umso eindrucksvoller, eine weitere Romanfigur. Sein alter Freund Loquera, der, sterbend und wahnsinnig geworden, irgendwo im Dschungel nackt wild umher springt und nur noch auf seinen Tod warten kann.

Das Ende des Romans, das für Catire auf mystische Weise auch einen Neuanfang darstellt und seine Gedankenwelt noch einmal auf ein anderes Level bringt, war wohl ebenso der Abschied des Autoren, der sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Welt der Abenteuer verabschieden musste und an den Ort zurückkehrte von dem er einst aufbrach. Ob sich die Unverwundbarkeit und das Gefühl auf seiner »spirituell philosophischen Forschungsreise« beschützt und begleitet zu werden für den Protagonisten über das Ende hinaus erfüllt hat, muss jeder Leser für sich selbst herausfinden. Sicher ist, dass das Ende eine Odyssee aus hoffnungsvollen Erwartungen, bitterer Enttäuschung und grausamen Schmerz ist.

Die Schreibweise steht im Verhältnis zur Zielgruppe und passt sich immer wieder dem Inhalt an, ist glaubwürdig und authentisch. Etwas, was auch im Charakter des Autors wiederzufinden ist, der sich gegen die weit verbreitete Gewohnheit, jeder müsste sich nach einem, speziell für seine gesellschaftliche Gruppe existierenden, Kodex verhalten, vehement zur Wehr setzt.
Nie hat man das Gefühl, etwas nicht aus aller erster Hand zu erfahren, im Gegenteil, man fühlt in jedem Satz, die gemachten Erfahrungen und die daraus resultierende Nähe des Schreibers zum Geschriebenen.

»Es würde mich freuen, wenn Menschen, nach dem Lesen meines bescheidenen Romans, sagen würden, dass sie sich gut von mir unterhalten gefühlt haben und eine, für sie, bisher unbekannte Welt und deren Protagonisten, kennen– und verstehen gelernt haben. Und vielleicht etwas differenzierter über gewisse Dinge urteilen. Nicht mehr und nicht weniger,«

sagt der Autor.

Vielleicht fällt einigen Lesern auch die »arrogante Fantasiebrille«, mit der viele der Europäer und »Erste Welt Bewohner« den restlichen Planeten begutachten, von der Nase. Denn Teilinformation führt zu Teilwissen und wird in nicht wenigen Fällen mit einem abstoßenden Fanatismus vermischt. Eine perfekte Mischung für die Schaffung von Arroganz.
Ein Familienvater, der sich das Mittagessen für seine Frau und seine sieben Kindern aus den Mülltonnen einer Großstadt fischen muss, weil er keinen Arbeitsplatz findet und der Staat in dem er lebt, sich nicht im geringsten für seine Familie verpflichtet fühlt, zieht diesem unwürdigen Leben nun einmal einen Job als Goldgräber in einer der Goldminen Amazoniens vor. Er denkt weder über das Weltklima noch über grüne ökologische Grundsätze nach. Und wer könnte ihm das verübeln? Doch wohl nicht Sie? Nein, natürlich nicht, ebenso wenig wie ich. Der Mann will einfach nur etwas auf den leeren Blechtellern seiner Kinder sehen.

11.12.2014
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